Nur für die erste Orientierung: Die neuen Pflegenoten |
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Köln (dpa/tmn) - Eine Eins für ein sehr gutes Heim, eine Fünf für ein schlechtes: Die neuen Pflegenoten sollen Angehörigen bei der Pflegeheim-Auswahl helfen. Am Mittwoch (2. Dezember) hat der Verband der Ersatzkassen (vdek) online die ersten Ergebnisse veröffentlicht. Wer ein Pflegeheim sucht, dem empfehle er durchaus, einen Blick auf die Noten zu werfen, sagt Prof. Frank Weidner vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) in Köln. Aber sie könnten nur eine von vielen Quellen für die Entscheidungsfindung sein. Und die Pflegenoten müssten dringend weiterentwickelt werden.
Grundlage für die Noten ist das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz. Darin ist festgeschrieben, dass bis Ende 2010 alle stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen einmal vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung überprüft werden müssen. Seit Juli 2009 läuft die Prüfung der bundesweit rund 10 300 Pflegeheime. Die ersten Ergebnisse sind jetzt öffentlich. Jedes Heim bekommt eine Gesamtnote, daneben gibt es Einzelbewertungen für vier Teilbereiche wie Pflege oder Soziale Betreuung.
Das Ziel, mehr Transparenz und Vergleichbarkeit zu schaffen, sei gut, sagt Weidner, der das dip leitet. Er sieht beim Bewertungssystem aber Mängel und vergleicht es mit einer Waage, die "unbedingt noch geeicht werden muss". Die Hauptkritik: Alle 82 Einzelbewertungen, aus denen die Noten errechnet werden, zählen gleich viel: Der gut lesbare Speiseplan ist für die Endnote also genauso wichtig wie eine angemessene Flüssigkeitsversorgung der Bewohner. Letzteres müsste laut Weidner aber viel stärker gewichtet werden, weil es den "Menschen vor Schaden bewahrt".
Gravierende Mängel werden durch gute andere Angebote ausgeglichen. Es entstehen wenig aussagekräftige Mittelwerte, erklärt Weidner. Ein Beispiel: Eines der untersuchten Heime bekam im Bereich "Pflege und medizinische Versorgung" eine 2,9. Für die Einzelkriterien Dekubitusprophylaxe - dem Schutz vor Wundliegen - und Sturzprophylaxe gab es aber nur eine 5. Und auch bei der Frage, ob die Körperpflege den Bedürfnissen des Bewohners entsprechend durchgeführt wird, erhielt das Heim lediglich ein "mangelhaft".
Die Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, der GKV-Spitzenverband, kontert die Kritik damit, dass sich Verbraucher jede einzelne Bewertung anschauen könnten. "Man kann Angehörigen aber nicht zumuten, dass sie listenweise Ergebnisse durchgehen und sie für fünf Heime vergleichen", findet Weidner.
Außerdem gebe es auch bei den Einzelbewertungen Mischwerte. Um etwa zu prüfen, ob verordnete Medikamente korrekt gegeben werden, wird eine bestimmte Anzahl an Bewohnern genauer unter die Lupe genommen. "Wenn Sie zehn angucken und bei zwei Bewohnern passierte ganz Schlimmes, können die anderen acht trotzdem für eine hohe Punktzahl sorgen", bemängelt Weidner. Die Pflegenoten könnten also nur eine erste Orientierung bei der Heimauswahl bieten.
Angehörige kommen nicht drumherum, mehrere Heime zu besuchen, sagt Weidner. Wie sieht es dort aus? Wie wirken die Bewohner? Hilfreich sei auch, mit Angehörigen von Bewohnern zu sprechen. Und wer sich für eine Einrichtung entschieden hat, könne danach nicht die Augen verschließen. "Gucken Sie, dass der Angehörige gut versorgt wird. Auch in guten Heimen kann es mal schlechte Pflege geben."
Die Noten online einsehen unter: http://dpaq.de/Pflegenoten Weiteres Verzeichnis zur Pflegeheim-Ausstattung: www.heimverzeichnis.de
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